ZULAMO

Zukunftslabor urbane Mobilität

[E-Mobilität]

Kompakt ausge­lie­fert

Gemeinsam mit Tropos Motors Europe und der Hoch­schule Bochum will die Stadt Herne ihre Last-Mile-Logistik mit E‑Fahrzeugen und Mikro­hubs orga­ni­sieren

von Kerstin Kloss
Zu zweit vorne im „Tropos Able“ kommt man sich recht nahe: Das kompakte elek­tri­sche Nutz­fahr­zeug ist nur 1,40 m breit, 1,90 m hoch und 3,70 m lang. Hinter einem Pick-up oder so manchem SUV kann sich der Wagen beinahe verste­cken. Was den Tropos Able auszeichnet: Er hat nicht nur einen deut­lich klei­neren CO₂-Fußabdruck als ein SUV, sondern ist mit einem Wende­kreis von 3,96 m auch sehr viel beweg­li­cher. Das ermög­licht Rangieren in engen Innen­städten wie Herne.

„Wir wollen Daten­silos aufbre­chen und neue Poten­ziale bei der effi­zi­enten Zustel­lung auf der letzten Meile frei­setzen“, erklärt Pierre Golz, Leiter der Stabs­stelle für Digi­ta­li­sie­rung bei der Stadt Herne. Gemeinsam mit dem E‑Nutzfahrzeughersteller Tropos Motors Europe und der Hoch­schule Bochum soll ein Gesamt­kon­zept erar­beitet werden. Heraus­kommen könnte eine „Blau­pause“ für die Last-Mile-Logistik mit Mikro­hubs, die von mehreren verschie­denen Kep-Dienstleistern gemein­schaft­lich genutzt oder sogar betrieben werden.

Das Fahr­zeug von Tropos Motors ist rein ­elek­trisch unter­wegs und für Wech­sel­auf­bauten konzi­piert. Das macht es auch für die letzte Meile inter­es­sant.
„Wir haben hier eine der am dich­testen besie­delten Städte Europas“, sagt Golz. Außerdem ist die 160.000-Einwohner-Stadt im geogra­fi­schen Zentrum des ­Ruhr­ge­biets ein wich­tiger Logistik- und Distri­bu­ti­ons­standort. Bran­chen­un­ter­nehmen wie Dachser, Duven­beck oder Nord­frost sind mit Logis­tik­zen­tren vor Ort, UPS verar­beitet in seiner Europa-Zentrale täglich circa­ 47.000 Sendungen. Als weitere wich­tige Bausteine nennt Golz neben der Wanne-Herner Eisen­bahn oder dem Container Terminal Herne auch Firmen­an­sied­lungen wie die Groß­bäckerei Brinker.

Das Konzept sieht ein „Main-Hub“ beim Auto­bahn­kreuz Herne (A 42/A 43) vor. Wegen seiner zen­tralen Lage zwischen Bochum, Dort­mund und Gelsen­kir­chen ließe sich sogar die Distri­bu­tion über die Stadt­grenzen hinaus in der 5‑Mio.-Einwohner-Metropole Ruhr orga­ni­sieren. Im Westen und Osten von Herne sind zwei „Sub-Hubs“ ange­dacht. Dort kann sich Golz auf der letzten Meile Lasten­fahr­räder vorstellen, aber es sei „Aufgabe von Tropos, die Vehikel zu konzi­pieren“. Bei dem Gemein­schafts­pro­jekt komme der Auswahl des Fahr­zeugs und der Konzi­pie­rung der Hubs eine entschei­dende Rolle zu. Von März an wird Tropos Motors Europe den Tropos Able an der neuen Betriebs­stätte in Herne produ­zieren. Erste Proto­typen hatten beim Deut­schen Logistik-Kongress in Berlin ihren Auftritt. „Man traut so einem kleinen Fahr­zeug wenig Qualität zu“, beob­ach­tete dort Gordon Krug, Leiter Marke­ting bei Mosolf. Denn das kompakte Nutz­fahr­zeug der Kate­gorie L7E-CU (Electric Compact Utility Vehi­cles) ist kleiner als die im Kep-Bereich übliche Kate­gorie N1 der leichten Nutz­fahr­zeuge wie Street­scooter oder VW Caddy.

„Die Klasse L7E-CU hatte keiner auf dem Radar für E‑Mobilität. Alle fangen mit N1 an“, sagt Gregory ­Hancke, Geschäfts­führer von Tropos Motors Europe und stell­ver­tre­tender Vorsit­zender des Vorstands von Mosolf. Im Vergleich zu Streets­cooter & Co. biete der Tropos Able ein ähnli­ches Trans­port­vo­lumen bei gerin­gerem Verbrauch. Der Strom­be­darf des 10-KW-Elektromotors liege bei weniger als 4 EUR/100 km. Es gibt drei Modelle – mit einer oder zwei Lithium-Ionen-Batterien (XR1, XR2) sowie mit Bleisäure-Batterie (ST). Zwei Batte­rien erhöhen die Reich­weite von 80 auf bis zu 260 km. „Das ist ideal für Mikro­hubs, wo Kep-Fahrzeuge übli­cher­weise in drei Schichten arbeiten“, sagt Hancke.

Prof. Fried­bert Pautzke, Leiter des Insti­tuts für Elek­tro­mo­bi­lität der Hoch­schule Bochum, hat mit seinem Team und Opel schon ein E‑Lieferfahrzeug entwi­ckelt; jetzt findet er einen Koffer­aufbau mit eigener Batterie span­nend. Vorteile: „Man kann beim Packen und Lagern den Koffer­aufbau getrennt vom Fahr­zeug elek­trisch laden. Das Fahr­zeug wird dann aus dem Koffer­aufbau mit elek­tri­scher Energie versorgt“, erklärt der Professor. Darüber hinaus ließe sich der Aufbau getrennt kühlen, belüften oder heizen.

Für Tropos Motors Europe könnten die Aufbauten erfolgs­ent­schei­dend sein. Denn auch in ein kompaktes Fahr­zeug müssen möglichst viele Pakete und Päck­chen rein­passen, um nicht ständig nach­laden zu müssen. „Ein deut­scher Hersteller von Standard-Kofferaufbauten wird noch im ersten Quartal dieses Jahres weitere Entwürfe für unsere Fahr­zeuge vorstellen“, berichtet Krug. Dabei geht Hancke von einem Lade­vo­lumen von circa 3,5 m³ und einer Version mit 7 m³ aus. Ein Kühl­aufbau sei eben­falls geplant.

Pautzke will nicht nur testen, was tech­nisch machbar ist, sondern auch, „was Logis­tiker mitma­chen“. Braucht es an einem Hub für die Last-Mile-Logistik von „ganz vielen Firmen“ das eigene Firmen­logo auf dem Liefer­fahr­zeug und der Fahrer­uniform? Nein, meint er: „Ein Logis­tik­dienst­leister wie Mosolf könnte zum Beispiel in einem Leasing­kon­zept die Fahr­zeuge für verschie­dene Kep-Unternehmen zur Verfü­gung stellen. Und Mosolf-Fahrer würden unter­schied­liche Koffer­auf­bauten mit Logos des jewei­ligen Kep-Unternehmens auf der letzten Meile verwenden­.“

Golz bei der Stadt Herne hofft indes, dass 2021 Förder­gelder für das Mikrohub-Konzept bewil­ligt werden, damit es losgehen kann.

Send this to a friend