ZULAMO

Zukunftslabor urbane Mobilität

[E-Mobilität]

Klein aber fein

Drohende Fahr­ver­bote, Flächen­knapp­heit, Paket­boom – wer all das meis­tern will, muss oft auf engstem Raum arbeiten können.

Das DPD-Mikrodepot in der Hamburger Hafen­city macht seinem Namen alle Ehre. Es ist so klein, man könnte es fast über­sehen. Es ist ein Park­platz, auf dem zwei elek­tri­sche Lasten­drei­räder stehen. Die Pakete werden im Sprinter ange­lie­fert und umge­laden. DPD testet den soge­nannten Tripl seit rund einem Jahr in Berlin, Köln und Hamburg. Das kleine E‑Mobil hat ein Fassungs­vo­lumen von rund 50 kleinen Paketen mit einem Gesamt­ge­wicht von maximal 200 kg. Tripl-Fahrer Serdor Aydin (33) erklärt, dass er maximal 25 Stopps auf seiner Tour durch die Hamburger Hafen­city bedienen kann.

Klein, grün, lokal

Mikro­de­pots gewinnen zuneh­mend an Bedeu­tung in der City­lo­gistik. Von dort aus kann die Auslie­fe­rung mit Lasten­rä­dern oder kleinen Elek­tro­fahr­zeugen im unmit­tel­baren Umkreis orga­ni­siert werden. So können Dienst­leister drohende Fahr­ver­bote in Städten umgehen und ein grünes Image aufbauen.

Auch UPS testet den Mehr­wert der lokalen Hubs, eben­falls in Hamburg. Seit 2015 hat der Kep-Dienstleister mehrere Paket­con­tainter in der Innen­stadt aufge­stellt. Diese werden morgens voll beladen per LKW ange­lie­fert und am Nach­mittag leer wieder abge­holt. Vor Ort werden die Pakete zu Fufl mit Sack­karre oder per E‑Lastenrad ausge­lie­fert. Nach eigenen Angaben spart sich UPS so täglich den Einsatz von bis zu zehn Zustell­fahr­zeugen (saison­ab­hängig).

Der Trend zum Mikro­depot ist nicht nur in Hamburg zu erkennen. Erst kürz­lich wurden vier Projekte beim Bundes­wett­be­werb für nach­hal­tige Logis­tik­kon­zepte in Berlin ausge­zeichnet. Drei davon stellen das lokale Mikrohub in den Vorder­grund.
Im Forschungs­pro­jekt „Intel­li­gente City-Logistik“ in Heidel­berg werden beispiels­weise Waren an zentralen Umschlag­stellen auf E‑Lastenräder umge­laden. Das eben­falls ausge­zeich­nete Projekt der TU Nürn­berg verfolgt den glei­chen Ansatz. Selbst Dachser setzt in Stutt­gart auf Mikro­de­pots. Der Logis­tik­dienst­leister liefert keine Pakete, sondern Stück­gut­sen­dungen, mit bis zu 250 kg mit elek­tri­fi­zierten Lasten­rä­dern vom Mikrohub zum Kunden.

Die Liste der Projekte ist lang, die sind Ansätze unter­schied­lich. Aber alles dreht sich ums Mikro­depot und die Auslie­fe­rung mit etwas anderem als einem diesel­be­trie­benen Trans­porter.

Das E‑Mobil von DPD kann deut­lich weniger und klei­nere Pakete beför­dern als ein Trans­porter. Trotzdem setzen viele Kep-Dienstleister zuneh­mend auf Nach­hal­tig­keit.

Spaß muss sein

Citylogistik-Projekte wie von DPD und UPS haben einen inter­es­santen Neben­ef­fekt. Sie binden nicht nur Kunden, sondern auch Fach­kräfte. „So ein Tripl macht Spaß. Es ist wie Spiel­zeug für Erwach­sene“ sagt DPD-Pressesprecher Peter Rey. Das kann der Fahrer nur bestä­tigen. Insbe­son­dere die schnelle Beschleu­ni­gung gefällt ihm. „Das ist schon ein Blick­fang, und Leute wollen Fotos machen“, sagt Aydin. „Ich werde oft darauf ange­spro­chen, auch von Frauen.“

Aydin glaubt, dass das ausge­fal­lene Fort­be­we­gungs­mittel den Job des Paket­boten durchaus inter­es­santer macht. Er hatte sich frei­willig als Test­fahrer gemeldet, als DPD die Elek­tro­drei­räder in Hamburg auf die Straße brachte. Er arbeitet seit fast drei Jahren in der DPD-Niederlassung, wo er seine Schicht in der Sortie­rung um 3.30 Uhr antritt. Seit Einfüh­rung des Tripl fährt er gegen 10 Uhr zusätz­lich eine Tour in der Hafen­city. Er bekomme so einen ganz neuen Einblick in den Job des Fahrers und lerne alle Seiten des Kep-Dienstes kennen. Das sei schon hilf­reich, auch für seine Arbeit im DPD-Depot.

Er bereut die Entschei­dung also nicht, zwei sehr unter­schied­liche Aufgaben bei DPD zu über­nehmen. Auch wenn er sich bei dem kalten Wetter eine Wind­schutz­scheibe für das E‑Mobil wünscht. „Kalt ist mir nicht“, sagt Aydin. „Ich laufe ständig Treppen rauf und runter, das hält warm. Aber der Wind und der Regen sind manchmal unan­ge­nehm.“ E‑Lastenräder bieten einen weiteren Vorteil. Zuge­parkte Straßen und fehlende Park­plätze sind für die Zusteller kein Problem. Sie müssen nicht in zweiter Reihe stehen, sondern können zwischen geparkten Autos oder am Rande des Gehwegs Halt machen. Das erspart auch dem Fahrer eine Menge Stress. Der Tripl darf mit einem ganz normalen Führer­schein der Klasse B gefahren werden. Für das Lastenrad braucht man keine Fahr­erlaubnis, was den Pool für Fach­kräfte noch weiter öffnet.

Es wird eng

Damit Lasten­räder mit und ohne Elek­tro­motor, mit zwei oder mit drei Rädern auf der letzten Meile effi­zient einge­setzt werden können, brau­chen Kep-Dienste Mikro­de­pots. Womit wir zurück beim Thema wären und voll im Trend. Wenn Mikro­hubs doch bei Kommunen und Kep-Dienstleistern glei­cher­maflen begehrt sind, warum gibt es nicht mehr davon?

Oft mangelt es einfach an Platz. Um das Problem zu umgehen, könnten sich Logis­tik­dienst­leister Flächen für lokale Hubs teilen. Das Vorzei­ge­pro­jekt ist nach wie vor das Projekt Komodo in Berlin, bei dem DHL, DPD, UPS, GLS und Hermes dasselbe Mikro­depot nutzen. Aller­dings hat auch hier jeder seinen eigenen Container. Sich auch Letz­teren zu teilen – so eng wollten die Unter­nehmen dann doch nicht zusam­men­ar­beiten.

In Nürn­berg will man Mikro­de­pots in Bestands­im­mo­bi­lien inte­grieren, in Hamburg und München werden tags­über Vertei­ler­con­tainer im Quar­tier geparkt. Oder man nutzt die Tief­ga­rage und einen Sprinter. DPD-Unternehmenssprecher Rey ist mit der Lösung jedoch nicht glück­lich und wünscht sich eine abschließ­bare Fläche, auf der mehr Sendungen zwischen­ge­la­gert werden können.

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